Persönliche Vorbemerkung:


Als Bibelaufstellungen bezeichne ich eine Methode, die dazu beitragen kann, biblische Texte und Themen besser zu verstehen. Ich habe sie in den letzten 10 Jahren „erfunden“ und entwickelt, was für mich als Theologin und Familientherapeutin naheliegend war, und will sie gern praktisch und theoretisch weiterentwickeln.

Zur Zeit wird auch in anderen Kontexten mit ähnlichen Formen und unterschiedlichen Kompetenzen experimentiert. Visualisierungen so wie (jedenfalls für manche) eine Art „Magiefaktor“ korrelieren mit dem Zeitgeist – Sie bekommen hier einen ersten Eindruck, was ich davon für zuträglich halte und was nicht.

Ich skizziere meine Bibelaufstellungen und vergleiche sie ein wenig mit Bibliodrama und Bibliolog. Hoffentlich gewinnen Sie damit einen ersten Eindruck, um was es geht!


Um die Methode wirklich kennenzulernen oder um konkrete Texte, Symbole und Fragestellungen mit ihrer Hilfe zu erkunden, sind natürlich praktische Erfahrungen besser als theoretische Darstellungen, zumal es sich um eine wesentlich räumliche Methode handelt, die gegenüber rein kognitiven, linear sprachlichen Prozessen einen Erkenntnismehrwert bieten sollte.

Selbstverständlich ist es in meinem Interesse, solche praktischen Erfahrungen zu ermöglichen. Ich freue mich sehr, wenn Sie daran Interesse haben und mit mir in Kontakt treten. Ideal wäre es, wenn Sie für einen schon vorhandenen Kreis von Teilnehmenden sprechen oder selbst eine passenden Gelegenheit organisieren können. Was die Größe der Gruppen angeht, sind wir flexibel: von Einzelnen (Arbeit mit Stellvertretern, Klötzchen) bis zu Großgruppen ist vieles gut denkbar. Auch am Geld für ein Honorar sollte es nicht scheitern, wenn bei den Interessierten weniger als bei mir vorhanden ist.


Deswegen auch gleich jetzt schon die Möglichkeit, sich per Mail mit mir in Verbindung zu setzen. Ich rufe selbstverständlich gern zurück!




Im Vergleich zu Bibliodrama und Bibliolog:


Es handelt sich nicht vorrangig, wie beim Bibliodrama, um eine Methode der Selbsterkenntnis, obwohl es sicherlich eine Wechselwirkung zwischen Text und Teilnehmenden gibt. Und darum sollte es auch im Sinne Dietrich Ritschls „gegenseitiger Verifizierung“ von Evangelium und Lebenserfahrung gehen. Dessen Konzept vom Verkündigungsgeschehen widerspricht nicht notwendig dem Bibliodrama, und ich selbst schätze die bibliodramatische Arbeit sehr. Die Gewichtung der Erkenntnisinteressen gegenüber den Bibelaufstellungen ist allerdings unterschiedlich, da entsprechen die Bibelaufstellungen eher dem Bibliolog. Die Hauptaufmerksamkeit liegt auf dem vertieften Verständnis der Bibelgeschichten und Symbole.


Durch das Einnehmen unterschiedlicher Perspektiven, ganz konkret durch das Sich-selbst-Aufstellen im Raum, wird eine Geschichte, ein Symbol oder ein Problem intensiver wahrgenommen und verschiedene Deutungshypothesen werden auf die Probe gestellt, intensiver als üblicherweise beim Bibliolog, der traditionell eher sprachlich, kognitiv arbeitet. Das Aufstellen geschieht konzentriert mit Leib und Seele, dabei mit vollem Bewusstsein und wachem, kritischem Verstand. Es ist grundsätzlich nicht hilfreich, da Gegensätze anzunehmen!



Selbstbestimmung und Voraussetzungen der Teilnehmenden:


Alle Teilnehmenden können, ebenso selbstbestimmt wie etwa in einem Gespräch, dosieren, wie viel sie während und nach der Aufstellung von sich und über sich mitteilen wollen. Auch im inneren Prozess geht jede und jeder so weit mit, wie sie oder er das für sich möchte, und es gibt institutionalisierte Rückzugsmöglichkeiten im Verfahren und im Raum.


Entsprechende Fähigkeiten zur Selbstbestimmung, Abgrenzung, jedenfalls zur Selbstverantwortung setze ich bei den Teilnehmenden voraus. Wenn jemand diesbezüglich an sich zweifelt, kann ein Vorgespräch vereinbart werden, und bei bestimmten Behinderungen, Erkrankungen oder PTBS wäre das wahrscheinlich auch zu meiner Information vorteilhaft. Außerdem gibt es immer wieder Möglichkeiten und auch Hinweise, sich zu schützen oder klärende Fragen zu stellen.



Ich denke und arbeite nicht mit der Vorstellung eines Unbewussten oder mit „öffnenden Verfahren“ im Sinne der Tiefenpsychologie. Das sage ich zur Abgrenzung gegenüber anderem Selbstverständnis und anderen Ansprüchen. Gegen den Anwurf der Oberflächlichkeit wegen der Distanz zu solchen Konzepten würde ich mich aber wehren. Als Systemikerin lehne ich sie aus grundsätzlichen theoretischen Erwägungen ab. Manchmal entsteht übrigens ein Zugewinn an Erkenntnis schon einfach durch die Visualisierung, die mit Aufstellungen verbunden ist. Soweit ich gehört habe, wird das inzwischen auch in Bibliologen genutzt.


Dabei müssen sich die Teilnehmenden hinsichtlich des gemeinsamen Prozesses oder der anderen Teilnehmenden keine Sorgen machen: Sie können nichts falsch machen! Jede Reaktion ist ein wertvoller Beitrag.



Bibelaufstellungen sind Spiel, Experiment, Workshop.


Nichts Besserwisserisches, nicht „Dogmatisches“, nicht „die“ (geheime, nur durch die überlegene Autorität der Methode oder der Aufstellenden zum Vorschein kommende und letztlich zu glaubende) Wahrheit hinter (falschen) eigenen Sichtweisen.

Die Geschichten der Bibel möchten von Ihnen gehört und bedacht werden, verstanden oder manchmal vielleicht auch zurückgewiesen. Die Methode macht vielen Menschen Spaß oder Freude, und das ist mit wichtig, das gehört zum Wichtigsten dabei!

Gleichzeitig ist es eine intensive und ernsthafte Beschäftigung mit den Glaubensschätzen unserer jüdisch-christlichen Tradition. Wir bewegen die Worte im Herzen, im Raum, in der Gruppe und lassen uns von ihnen bewegen. Wenn ich nicht davon überzeugt wäre, auf diese Weise Gott Ehre zu erweisen, würde ich es nicht tun.



Veranstaltungsformen für Bibelaufstellungen, mögliche Zielgruppen und Einschränkungen:


Von einem Kennenlernabend, der dann allerdings nicht kürzer als zwei Stunden ausfallen sollte - insbesondere, wenn nicht nur ein Text als Aufstellung bearbeitet werden soll, sondern auch die neue Methode diskutiert werden soll - bis hin zu mehrtägigen Seminaren ist vieles möglich, auch die Einbindung von Bibelaufstellungen in Seminare, die hauptsächlich mit anderen Methoden arbeiten.


Ich bin sowohl Seniorinnen einer Gemeindegruppe als auch einigen Schülerinnen und Schülern der sechsten Klasse, mit denen ich die Methode, erfolgreich mit Einschränkungen, ausprobieren konnte, dankbar für das Ausloten möglicher Begrenzungen für die Zielgruppe. Ganz pragmatisch:


1. Schwerhörigkeit oder starke Gehbehinderung machen die Teilnahme schwer. Wenn man über einige Meter im Raum oder im Rücken von einer sprechenden Person nicht versteht, was gesagt wird, entgeht dieses. Man verliert den Anschluss an den gemeinsamen Prozess und/oder langweilt sich.

Wenn einige nicht gut oder nicht lange stehen können, kann man sich mit Stühlen und anderen Hilfsmitteln behelfen. Aufstellungen funktionieren aber besser, wenn man aufstehen, sich aufstellen, einige Zeit in einer Position stehen bleiben und schmerzfrei einige Schritte gehen kann.


2. Kinder profitieren am besten in kleineren Gruppen (meine Schulklasse bestand bei einer Aufstellung des Gleichnisses von der vierfachen Saat aus 16 GymnasiastInnen, da war bei einigen am Ende der Doppelstunde die Geduld schon deutlich strapaziert, obwohl es relativ „starke“ SchülerInnen in jeder Hinsicht waren), weil sie gern selbst aktiv sein wollen und die Phasen stiller Beobachtung anderer nicht zu lang sein dürfen.


Die Aufmerksamkeitsspanne, die Konzentrations- und Gruppenfähigkeit, die emotionale Belastbarkeit im Sinne psychischer Erkrankungen sowie Vorwissen und intellektuelle Leistungsfähigkeit können die Intensität begrenzen. Zu sehr zu elementarisieren halte ich nicht für sinnvoll, da es gibt ja viele gute andere Methoden, sich den Schätzen der Heiligen Schrift zu nähern. Für jüngere Kinder sowie für Menschen mit geistigen Behinderungen gibt es bessere Methoden.


Dafür, dass die bisherigen Überzeugungen über Gott und die Welt durch Bibel und Evangelium nicht in Frage gestellt werden, gibt es allerdings keine Garantie! Wer sucht, wer meidet solche neuen Erkenntnisse des Glaubens? Wer will sich weiterentwickeln im Verstehen des Evangeliums?

Wer hätte etwas (was?) zu befürchten?

Der einschränkende Bann neurotischer Symbole wird durch Bewusstwerdung gelöst. Die tröstende oder beflügelnde Kraft des Heiligen und seiner Symbole wird durch Verstehen, Differenzierung und Versprachlichung vertieft oder sogar erst zum Leben erweckt.



Meine Voraussetzungen, weitere Kontexte, Verortung, Abgrenzung:


Als Seelsorgerin, Theologin, Therapeutin und Pädagogin habe ich im Studium besonders von der Auseinandersetzung mit Philosophie und Humanwissenschaften und den Religionspädagogen in Frankfurt (1984 ff), anschließend von Joachim Scharfenberg in Kiel profitiert, wobei alle sich selbstverständlich ihrerseits auf Vordenker beriefen, die aufzuzählen hier zu weit führen würde.



Dabei ging es nicht nur um die Anwendung von Techniken aus den Humanwissenschaften, diese als Hilfswissenschaften nutzend, sondern auch um die Würdigung anderer Perspektiven in einem echten Dialog mit anderen Wissenschaften, unter anderem zwecks selbstkritischer Weiterentwicklung aller theologischen Disziplinen.


Diese Wertschätzung, im Falle Scharfenbergs besonders der Psychoanalyse und anderer psychotherapeutischer Richtungen, macht wohl vielen Theologen Angst. Was befürchten sie? Vielleicht selbst weniger wert zu sein, als wenn sie sich und ihr Fach als etwas ganz Besonderes, Erhabenes betrachten? Verwechseln sie hinsichtlich der Erhabenheit vielleicht Gott und ihre Reflexionen?

Möglicherweise werden einige der oben zusammenfassend erwähnten Professoren deswegen nicht überall so hoch geschätzt, wie es ihren Beiträgen zur Theologie des 20. Jahrhunderts entsprechen würde.





Möglicherweise macht generell Psychotherapie immer noch vielen Menschen Angst, die die Vorstellung haben, dabei ginge es um das Durchschaut- und Verändertwerden. Seltsamerweise erstreckt sich diese Angst speziell auf Therapie (wo es eher darum geht, selbst Probleme zu durchschauen und allenfalls sich selbst so zu verändern, dass man weniger leidet oder zu befriedigenderer Lebensgestaltung findet) und nicht auf die Psychologie, die im Marketing und bei der Darstellung von militärischen Aktivitäten zur Anwendung kommt, wo die Angst vor Manipulation begründet und dringend notwendig wäre.

Was könnte wertvoller und ehrenhafter sein als ein aufrechtes Gegenüber in einer interessierten, respektvollen, offenen Begegnung? Diese Haltung müsste man also sogar dann bevorzugen, wenn sie – zum Beispiel von säkularen Menschen, bei denen es leider auch Irrtümer beim Selbstverständnis und ethische Mängel gibt - nicht erwidert würde.



Mir wurden also außer Achtung vor dem Glauben an Gott (nicht nur dem, der sich in Jesus Christus offenbart hat, aber besonders diesem in seinen unterschiedlichen Stilen, Spielarten, Sprachen und Farben), Vertiefung meines eigenen Glaubens und Liebe und Respekt für die Heilige Schrift und den Wert der christlichen und theologischen Tradition - wie in jedem erfolgreichen Theologiestudium - zwei weitere wichtige Punkte für das Verständnis der Bibel vermittelt:


Erstens ist sie eine Sammlung von Symbolen, das heißt von bearbeiteten Konflikten, sowohl wenn sie Geschichten erzählt (wie etwa die von der schwangeren Maria oder dem jugendlichen Jesus im Tempel, vom verlorenen Sohn, vom barmherzigen Samariter, von Heilungen oder anderen Wundern...), wenn sie Bilder malt (die Suche nach dem verlorenen Groschen, die Verklärung Jesu, die würfelnden Soldaten unter dem Kreuz…) als auch wenn sie von theologischen Auseinandersetzungen berichtet oder existentielle Fragen stellt (Jesus' Streitgespräche mit anderen Pharisäern, Paulus' erste und gleich große Entwürfe der Theologie im Sinne von D.Ritschls 'Ableitungen' und 'Begriffen').


Zweitens stellen alle Texte sprachliche Äußerungen von Menschen dar. Das will nichts darüber sagen oder gar bestreiten, dass Bibeltexte Wort Gottes sein können. Auf jeden Fall sind sie Teil von Kommunikation von Menschen mit Menschen und können als „Redeanteil“ einer Seite in einem Dialog gehört werden. Da will jemand verstanden werden, und ein anderer Mensch will verstehen! Diese Situation einer Verständigung zwischen Menschen legt die Anwendung von Methoden nahe, die der Verständigung auch unter schwierigen Bedingungen dienen wie etwa zwischen Ärztin und Psychiatriepatientin, ebenso oder ähnlich für Texte über historische, soziokulturelle, wirtschaftliche Entfernungen zwischen „Sender“ und „Empfänger“ hinweg. Therapie/Seelsorge, Verkündigung im Gottesdienst, Religionspädagogik und Exegese haben viel gemeinsam, dürfen und sollen sich also aller nützlichen Methoden bedienen und dabei gegenseitig bereichern.


Für alle diese sehr unterschiedlichen Textarten und Problemstellungen gibt es inzwischen Aufstellungsmethoden. Stellvertretend seien Virginia Satir als eine der ersten Wegbereiterinnen für das Aufstellen von Beziehungen zwischen Menschen in Familien wie auch in anderen sozialen Verhältnissen sowie Insa Sparrer und Matthias Varga von Kibéd für Strukturaufstellungen genannt, die auch auf abstrakte Probleme angewandt werden können.



Ich halte Verbindungen von Bibelaufstellungen mit einerseits meditativen oder therapeutischen Kontexten und andererseits mit historisch-kritisch orientierter Exegese und Bibelarbeit für fruchtbar. Gegenseitige Ablehnung oder den Ausschluss einer dieser Dimensionen könnte ich mit einem seriösen Umgang mit der Bibel oder Glaubensfragen nicht vereinbaren.


Damit möchte ich mich gleichzeitig sowohl vom fundamentalistisch-biblizistischen Umgang mit der Bibel als auch von Bert Hellinger und Konsorten abgrenzen, wo meines Erachtens uneingestandene und deshalb unverantwortete Voraussetzungen gemacht oder sogar zur höheren Wahrheit erhoben werden, die manipulativ und unheilvoll wirken können.



Heilsames hingegen, wie ich es bei den Bibelaufstellungen in den letzten Jahren immer wieder erfahren durfte, soll in den Blick kommen und geschehen. Ich sehe es natürlich in der Heilsamkeit der biblischen Symbole begründet, letztlich im Evangelium, von Gottes Heilswillen selbst her, nicht in der Methode. Sie kann nur ein Mittel sein, das verantwortlich angewendet werden muss – wozu meines Erachtens die Doppelqualifikation von Theologie und systemischer Therapie unverzichtbar ist – um intensive Erfahrungen dieser Wirklichkeit zu machen, einschließlich intensiver Reflexion und auch kritischer Auseinandersetzung auf allen Ebenen.


Schalom!